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Prüfungsreif

Geschrieben von Force2Motion | Montag, 11.9.2023 23:09

„Prüfungsreif“ war die Zusammenfassung meines Fluglehrers nach der dritten Flugstunde. Er meinte damit zwar nur den Teil mit dem koordinierten Kurvenflug bei 30° und 45° Schräglage, aber was soll’s? Ich bin also ein Naturtalent, was Schräglagen angeht. Nein, eher nicht. Fliegen ist immer noch Information Overkill und ich bin noch Stunden von meiner Solo-Platzreife entfernt. Heinz muss noch viel zu oft, die Kohlen aus dem Feuer holen. Oder er bringt mich erst in Schwierigkeiten (siehe unten). Eigentlich stand für die 2. und 3. Flugstunde der Kurvenflug auf dem Programm. Ganz schön tricky, bei einem 360° Turn die Höhe zu halten. Ständig ein Auge auf die Flugzeugnase und das Horizontbild. Das andere Auge schaut dahin, wohin wir fliegen – also in die Kurve hinein (so wie beim Motorradfahren). Das dritte Auge schaut auf den künstlichen Horizont, um die Schräglage zu messen (soll ich noch nicht), auf den Höhenmesser (soll ich auch nicht in der Kurve) und manchmal auf den Drehzahlmesser (200 upm mehr beim Kurvenflug ab 45°). Letzteres soll ich nach Gefühl machen. Ihr merkt selbst: So viele Augen hat niemand. Nach den ersten Versuchen lag der Höhenverlust noch bei 300-400 Fuß pro Vollkreis. Nachher nur noch bei 50. In der Prüfung muss man unter 150 Fuß bleiben. Daher das „Prüfungsreif“. Schön. Aber üben muss ich das trotzdem noch 1-2 mal… Sehr cool ist bei 45° die deutlich erhöhte Masse. 1,4 G stehen an und bei 60° (die ich auch schon unfreiwillig geübt habe) sind es 2 G. Also kurz vor Top Gun Niveau. Dann fühle ich mich richtig fett. Über dem Rursee hatten wir dann bei 31° C Bodentemperatur massive Thermikeffekte, was zu einzelnen Böen führt und die Maschine auch schon mal um 400 Fuß angehoben hat, ohne dass ich dafür etwas tun musste. Das muss dieses Segelfliegen sein… Und weil es so schön lief (wir waren übrigens beide Male über dem Rursee unterwegs) und wir auf dem Rückflug noch Zeit hatten, gab mir Heinz einen Vorgeschmack auf die nächste Stunde: Überzogener Flugzustand in Landkonfiguration.

Dazu wird mit ausgefahrenen Klappen die Nase immer höher genommen, bis wir in einen Stall kommen. Das merkt man am Fahrtanzeiger, der unter 40 mph sinkt. Dann pfeift es (Überziehwarnung an der Tragfläche) und das Flugzeug schüttelt sich. Also Gas raus und Nase runter unter den Horizont, Vollgas und nach ein paar Sekunden ist alles wieder gut. So weit, so schön. Dann nächste Übung im Leerlauf. Das Pfeifen und Schütteln kommt früher und die Maschine kippte nach links in einen nicht enden wollenden Sturzflug ab. Das waren zwar in Wirklichkeit nur 2 Sekunden und nach einem beherzten Gasstoß mit der Nase nach unten und ordentlich Seitenruder nach rechts pendelt sich die Cessna sofort wieder fast wie von selbst ein, aber der Adrenalinschub war gewaltig. Alter! Und wieder: Finger vom Querruder. Wenn Du die Erde auf einmal bildschirmfüllend in der Frontscheibe siehst und der Magen einen Hüpfer macht, dann ist das erst mal ein Schock. Also für mich. Nicht für Heinz. Aber mir wird klar, dass wir das noch öfter machen, damit die Gegenmaßnahmen ins Fleisch und Blut übergehen. Als Laie zieht man da am Höhenruder und das ist genau falsch. Drücken! Bei der Landung durfte ich schon mehr als vorher machen und ich eire jetzt auch nicht mehr so sehr auf dem Flugfeld herum. Lenken mit den Füßen!

Auch das Funken klappt schon besser, auch wenn sich der Tower-Lotse wahrscheinlich über meine Sprüche beömmelt. Keine Sorge, das wird. Ich weiß ja jetzt, dass es „Delta-Echo-Whiskey-Alpha-Delta Piste Null Sieben – QNH Eins Null Eins Neun“ heißen muss und nicht „Whiskey“ anstelle „Piste“. Was nuschelt der auch so? Übermorgen geht es wieder rauf, wenn das Wetter mitspielt, und danach probiere ich das Ganze mal im Simulator…