Hi, mein Name ist Thomas Käfer und ich möchte Euch von meinem 60. Geburtstag erzählen: Den habe ich in Barcelona verbracht. Soweit nichts Spektakuläres, bis auf die Kleinigkeit, dass ich das Flugzeug – eine Piper PA 28 – selbst pilotiert habe und das eben nicht im Flugsimulator, sondern in Real Life. Aber der Reihe nach.
Es gibt (bald) drei Videos zu diesem Reisebericht: Das eine Video hat mit 100 Minuten Spielfilmlänge und ist für meine Mitflieger und mich als persönliche Erinnerung an diesen grandiosen Ausflug gedacht (den Link gibt es dann nur für Family & Friends & FCM). Die anonymisierte Version (kommt bald) und den Film dürfen sich auch Interessierte (Hobbyflieger) anschauen, die die eine oder andere Inspiration für eine ähnliche Reise suchen. Und natürlich kann man diese Reise auch im Flugsimulator nachfliegen. Das kommt der Realität schon sehr nahe, aber am Ende ist der Mont Blanc oder die Biskaya in echt durch keine Bing- oder Google-Earth-Darstellung zu ersetzen.
Das kurze Video ist aus diesem Reisebericht als Songtext entstanden. Microsoft Co-Pilot hat dieses Dokument gelesen und daraus mit minimaler Nachhilfe einen sehr passenden Liedtext generiert. Den habe ich dann in Mozart.AI zu einem Popsong komplettieren lassen. Nach so etwa 10–11 Versuchen kam die Version heraus, die dann wiederum als Soundtrack für das Kurzvideo „Zum 60. nach Barcelona“ diente. Wer also nur etwa 6 Minuten Zeit hat und mit deutschen Pop-Schlagern nicht völlig auf Kriegsfuß steht (meine Musik ist das typischerweise auch nicht), der wird hier fündig… Ich finde das Stück jedenfalls gelungen.
Schaut und hört doch einfach mal rein... LINK
Aber jetzt zurück zum Reisebericht…
Ich war zu meinem 50. Geburtstag schon einmal in Barcelona, seinerzeit noch als Passagier in einem Ryanair-Jet. Damals sagte man uns, dass man für die Fertigstellung von Gaudís Sagrada Família noch 10 Jahre brauchen würde. Da haben wir beschlossen, einfach nach 10 Jahren noch mal vorbeizuschauen.
In der Zwischenzeit habe ich vor etwa zwei Jahren aus einer Laune heraus – genauer gesagt war die treibende Kraft meine Ehefrau Michaela – den Pilotenschein gemacht. Als ich in der Ausbildung war, wurde ich dann von meinen Freunden gefragt, wohin ich denn fliegen würde, wenn ich den Schein denn nun hätte. Die spontane Antwort war: „Zum 60. nach Barcelona.“ Und diesen Plan habe ich dann auch im Fliegerclub Merzbrück hier an meinem Heimatflughafen Aachen-Merzbrück (EDKA) vorgestellt und umgesetzt.
Zwei weitere Piloten aus dem FCM Fliegerclub Aachen-Merzbrück e.V. haben sich meiner Idee angeschlossen, und so haben wir uns am 24. April 2026 auf den Weg gemacht. Die beiden flogen die Cessna 172 D-ECSS und ich mit meiner Co-Pilotin und Flugbegleiterin Michaela die D-ENPR, eine Piper PA28. In Barcelona haben wir dann noch einen dritten Mitflieger – ebenfalls einen Piloten, allerdings ohne Musterberechtigung für unsere Echo-Flieger.
Die ursprüngliche Planung haben wir noch etwas gepimmt und ein paar interessante Zwischenstopps eingebaut.
Wenn man so auf die Luftfahrtkarten, insbesondere in Frankreich, schaut, dann sieht man erst mal rot. Ein Sperrgebiet reiht sich an das andere und es scheint auf den ersten Blick unmöglich, einen Korridor zu finden, den wir mit unseren Echo-Fliegern passieren können. Aber alles halb so wild. Ein Kollege hatte bereits Erfahrung in Frankreich und hatte am Ende mit seiner Einschätzung recht, dass die meisten Restricted Areas nicht aktiv waren. Das klärt man in der Flugvorbereitung in den NOTAMs und unterwegs durch eine kurze Rückfrage bei den Fluglotsen.
Etwa gegen 11:00 Uhr Ortszeit hatten sich die letzten Wolken und der Hochnebel verzogen und das angekündigte Kaiserwetter zeigte sich mit blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein.
Über die Eifel ging es westlich des Sperrgebietes Elsenborn im Hohen Venn über die Dahlemer Binz Richtung Trier. Wir entschieden uns, die Kontrollzone von Spangdahlem zu überfliegen, und kamen in den Genuss, eine NATO AWACS Maschine aus der Nähe betrachten zu können. Das Ausweichmanöver hielt sich in Grenzen und Wirbelschleppen waren kein Thema. Auch wenn man das „Vorflugrecht“ hat, sollte man es bei diesen dicken Kollegen nicht darauf ankommen lassen.
Dann ging es weiter über das Elsass und die Vogesen zu einem kurzen Zwischenstopp nach Belfort.
Ein erstes Highlight war der Anflug auf den Genfersee mit dem wunderbaren Alpenpanorama. Einfach atemberaubend.
Die erste Übernachtung haben wir in Annecy südlich des Genfer Sees am Lac d’Annecy gemacht – ein sympathisches Städtchen mit einem tollen Flair.
Am nächsten Tag eines der Highlights schlechthin: Vorbeiflug am Mont Blanc, dem höchsten Berg Europas, bei strahlendem Sonnenschein und fast keinen Wolken in rund 10.000 Fuß. Gigantisch!
Ein Zwischenstopp führte uns nach Gap, südlich von Grenoble, wo wir einen unserer früheren Fluglehrer besuchten. Er ist nun Segelfluglehrer in Gap und freut sich über das eindeutig bessere Wetter als in Aachen.
Die zweite Tagesetappe führte uns nach Avignon, wo wir selbstverständlich direkt vor dem Palais du Papes zu Abend gegessen und danach auch noch die berühmte Brücke Pont Saint-Bénézet besucht haben – zumindest das, was davon noch übrig ist.
Am nächsten Morgen ging es dann zunächst nach Carcassonne, wo wir die berühmte Citadelle besuchten und diese einmal auf den Burgmauern umrundet haben. Ihr kennt doch alle sicher das Spiel „Carcassonne“. Wir wissen jetzt auch, woher die Stadt ihren Namen hat.
Carcassonne ist einen Besuch wert und man versteht, warum gerade hier die mächtige Burg gebaut wurde. Hier konnte und kann man es gut aushalten und man blickt von den Türmen und Mauern weit in die wunderschöne Provence hinein.
Am Nachmittag haben wir uns dann auf den Weg nach Barcelona gemacht, unserem eigentlichen Ziel der Reise. Wir wählten eine Route über Girona und die spanische Mittelmeerküste, auch, um dem Schlechtwettergebiet in den Pyrenäen auszuweichen. Selbst Lloret de Mar sieht von oben ganz nett aus.
Barcelona hat zwei Flughäfen: Le Prat (international) und Sabadell (LELL) für die kleineren Flugzeuge. Sabadell ist ein geschäftiger Flugplatz, aber sehr entspannt anfliegbar. Man muss sich nur aus den Lufträumen (Alpha) der Airliner von El Prat heraushalten.
Mit dem Uber ging es dann (mal wieder) vom Flugplatz in die Stadt und wir buchten ein Hotel keine 200 Meter von der berühmten Rambla entfernt. Bei Tapas kamen dann wieder die ersten spanischen Urlaubsgefühle.
Der nächste Tag stand ganz im Zeichen von Sightseeing und natürlich einem Besuch der berühmten Sagrada Família. Surprise: Sie ist immer noch nicht fertig. Der Guide meinte: „Wir brauchen wohl noch bis in die späten Dreißigerjahre.“ Ich versuchte, ihn zu einem Deal zu überreden: „Ich war vor zehn Jahren schon mal hier. Da sagte man uns, ihr braucht noch 10 Jahre. Können wir uns darauf einigen, dass Ihr das Ding bis zu meinem 70. Geburtstag fertig habt? Dann komme ich noch einmal wieder!“
Ich denke, das wird aber nichts. Für die Gloria-Fassade, die noch komplett fehlt, müssen ein halbes Stadtviertel mit einigen Hotels abgerissen und eine Straße verlegt werden. Hoffentlich haben die Stadtväter damals daran gedacht, sich ein Vorkaufsrecht für die Grundstücke zu sichern.
Anyway: Die Sagrada ist ein Highlight. Von außen ist sie sicherlich gewöhnungsbedürftig und nicht jeder Manns Geschmack, aber der Innenraum ist der Hammer. Man kann es nicht beschreiben oder fotografieren. Das muss man selbst erleben. Und egal, ob man religiös ist oder nicht: Hier hat Gaudí etwas absolut Göttliches geschaffen, indem er die Natur perfekt kopiert hat.
Natürlich ist Barcelona nicht nur Gaudí und die Sagrada. Gaudis Werke findet man an zahlreichen Stellen, aber auch ansonsten sind Kunst und Architektur ein beherrschendes Thema. Zusammen mit dem Meer und dem Hafen ergibt sich ein tolles Flair. A good place to be und eine gute Location für meinen 60. Geburtstag.
Aber die Reise war ja hier noch nicht zu Ende. Die Rundtour hatte lediglich ihren südlichsten Punkt erreicht. Entlang der Pyrenäen flogen wir dann mit nordwestlichem Kurs quer durch Nordostspanien (also von Katalonien ins Baskenland) nach San Sebastián an der Atlantikküste. Da das Wetter dort unbeständig war, entschieden wir uns für einen Zwischenstopp in Pamplona. Hier hatten wir den gigantischen Flughafen (zumindest aus Sicht von uns Echo-Fliegern) für uns ganz allein. Mit freundlicher Unterstützung der örtlichen Metrologin fassten wir den Plan, über die Gebirgskette vor der Küste über den Wolken in Formation zu fliegen und dann über dem Meer eine Lücke zu suchen, über die wir unter die Wolkendecke nach San Sebastián einfliegen konnten. Unser Backup war die Rückkehr nach Pamplona.
Der Plan ging auf und nach einem interessanten Flug über die Wolken fanden wir tatsächlich über der Biskaya freie Sicht. Die Lotsin war überaus hilfsbereit und freundlich und ließ uns die Wahl, welche Landebahn wir haben wollten. Da wir erst kurz vor dem Sinkflug die Formation auflösten, war ich mit der zweiten Maschine im Anflug noch zu nah am Vordermann und musste noch einen Vollkreis drehen, um Abstand zu gewinnen. Dennoch war es knapp, denn die Cessna nicht so schnell wie erhofft von der Piste abgerollt. Buchstäblich in den letzten Sekunden vor einem Go-around bekam ich die Landefreigabe.
Die Schönheit des Anflugs konnte ich daher erst beim Betrachten des Videos genießen. Cool ist, dass man mit seiner Yacht quasi bis etwa 50 Meter an den Flugplatz schippern kann und dann direkt in seinen Flieger einsteigen kann.
In San Sebastián gibt es ein paar Besonderheiten für die General Aviation. Man braucht vorab einen Handling Agent (Tipp: South Aviation nehmen) für einen Parkplatz und man muss den Motor in einem speziellen Feld auf dem Vorfeld abstellen und dann die Maschinen von Hand zum Parkplatz schieben. Dafür wird man dann mit dem Kleinbus abgeholt und die 500 Meter zum Gate gefahren – und das alles für 50 Euro incl. Landegebühr und Übernachtungsgebühr.
Vom Flughafen bis zum eigentlichen Ort San Sebastián haben wir diesmal den Bus genommen und sind rund 40 Minuten durch die Landschaft gefahren. San Sebastián ist ebenfalls eine Reise wert. Die schöne lange Sandbucht lädt zum Spazieren ein und die Altstadt ist voll von schönen, urigen Tapas-Bars. Nett!
Am nächsten Tag haben wir sogar eine Bootstour durch die Bucht gemacht, bevor wir nachmittags weiter nach Norden geflogen sind. Schlechtwetter über Bilbao hat uns von dem Vorhaben abgebracht, dort eine Runde hinzufliegen, und wir sind stattdessen vor der Schlechtwetterzone über Biarritz entlang der Atlantikküste (Biskaya) an der größten Düne Europas – der „Dune du Pilat“ – vorbei nach Royan gelogen.
Royan ist ein typischer französischer Flugplatz mit einem Tower, der aber eben nicht ständig besetzt ist. Zum Zeitpunkt unserer Ankunft war der Platz menschenleer. Egal: Dann setzt man eben einfach blind seine französischen Funksprüche ab und landet nach eigenem Gutdünken. Geht auch. Tanken ist dank der Tankautomaten mit Kreditkarte kein Problem (die Totalenergies-Karte kann man sich sparen), nur die Fahrt in den Ort wurde zur Herausforderung. Wir bekamen zwar auch hier ein Uber, aber nun brauchten wir eins für fünf Personen, da in Barcelona der besagte fünfte Mann hinzugestoßen war. Ein freundlicher Franzose am Aerodrome, der dort sein Auto putzte, erklärte sich aber gerne bereit, einen aus unserer Gruppe mit nach Royan zu nehmen. Merci beaucoup. Der Rest von uns nahm das Uber.
Am nächsten Morgen flogen wir über die malerische Küste weiter nach Norden zu unserem Zwischenziel, der Île d’Yeu. Auf dem Weg dahin passierten wir ein paar Forts (u.a. Fort Boyard) und eine sehr schöne Küstenlandschaft.
Der Flugplatz auf der Île d’Yeu ist putzig, incl. dem Towerlotsen. Er besteht zwar auf Französisch, ist dafür aber umso netter, wenn man mit ihm ein wenig im Turm plaudert. So erlaubte er uns auch, mit Warnweste die Piste zu queren, damit wir eine kleine Rundwanderung an der Felsküste unternehmen konnten. In seiner Mittagspause sind wir dann wieder ohne Lotse abgeflogen.
Auf Höhe von Nantes wollten wir eigentlich entlang der Loire über ein paar Schlösser bis nach Blois fliegen. Hier machte uns aber die schneller als erwartet nördlich ziehende Schlechtwetterfront einen Strich durch die Rechnung. Wir waren etwas nördlicher als die Cessna, als wir rechts voraus einen Blitz in der Wolkenfront sahen. Also umdrehen und haarscharf an einem Sperrgebiet nach Norden ausweichen. Der Fluglotse fragte sicherheitshalber warnend nach und half dann bereitwillig bei der Suche nach einer Ausweichroute und einem Sicherheitsstopp auf einem nahegelegenen Flughafen.
Ich entschied mich für Redon-Medis, einem nicht kontrollierten Flugfeld nördlich von Nantes, um am Boden eine neue Route zu planen. Ein kurzer Plausch mit zwei Piloten vor Ort und die Bestätigung, dass meine Idee, nördlich über Rennes und Le Mans nach Blois auszuweichen, ein gutes Vorhaben wäre. Und so war es auch. Wir sind dann, kurz bevor uns die Gewitterfront einholen konnte, wieder gestartet und bei schönstem Sommerwetter über die Rennstrecke von Le Mans geflogen – für mich auch ein Highlight, denn wen interessieren schon Burgen und Schlösser?
Die anderen drei hatten südlich von der Gewitterzelle eine Lücke gefunden und konnten daher den ursprünglichen Plan, über die Loire zu fliegen, tatsächlich umsetzen. Ein paar Minuten nach uns setzten auch sie auf der Piste von Blois auf.
Auch hier halfen französische Passanten, einen unserer Mitflieger in die Stadt mitzunehmen, sodass wir wieder mit einem Uber auskamen.
Blois ist eine nette Stadt an der Loire und hat Cafés, Bars und gute Restaurants zu bieten. Das „perfekte Ei“ ist allerdings meiner Frau nicht so gut bekommen, und wir beide haben spontan einen Ausflug in das örtliche Hospital gemacht. Am Ende alles halb so wild, aber auf eine Fahrt mit dem Krankenwagen und eine Versorgung in einem fremden Krankenhaus kann man im Urlaub schon verzichten, auch wenn auch hier alle freundlich und hilfsbereit waren. Aber Sprache ist ein Thema!
Da Mik und ich so erst um 01:30 Uhr in der Nacht im Hotel waren, entschieden wir, dass ein Pilot der Cessna die Piper übernehmen würde und ich Co-Pilot wurde. Das war sicherer und am Ende entspannter, denn nun konnte ich auch mal mehr nach unten schauen.
Gut war, dass wir früh von Blois nach Nordwesten über Reims nach Hause geflogen sind, denn so flogen wir weit vor der Schlechtwetterfront nach Aachen und kamen wieder bei Kaiserwetter entspannt zu Hause an. Am nächsten Morgen war die Schlechtwetterfront, die anschließend ganz Europa für Tage überzogen hat, auch in Aachen angekommen. Fazit: Einen Tag vertrödelt und wir hätten für mehr als eine Woche in Frankreich festgehangen. VFR-Fliegen ist eben Schönwetterfliegen.
Am Ende waren es rund 1.700 NM = 3.150 km Luftlinie mit einer tatsächlich geflogenen Strecke von ca. 2.000 NM = 3.500 km in acht Tagen. Die reine Flugzeit betrug 19 Stunden bei einem Verbrauch von 27 ltr. / h bei der Piper. Bedenkt man, dass man mit dem Auto für die Strecke etwa 5.000 km gefahren wäre, da geht selbst so ein Verbrauch in Ordnung.
Aber klar: Fliegen ist kein billiges Hobby, aber diese Reise war jeden Euro wert – nicht nur anlässlich des 60. Geburtstags. Ein grandioses Erlebnis und kaum zu toppen – außer vielleicht durch die nächste Reise, diesmal vielleicht nach Sizilien, Sardinien und Korsika. Wir werden sehen.